Reisebericht Gisela Prisching

zur Fotogalerie [ Nigeriareise Februar 2006 ]

Am 2. Feb. 06 starteten wir (16 einsatzfreudige Teilnehmer) unter der Reiseleitung von Hr. Mag. Dr. Emeka Emeakaroha eine dreiwöchige Projektreise nach Umunohu, Imo State, Nigeria.

Ziel dieser Reise war es, die mitgebrachten, etwa 3500 Brillen, unter der fachmännischen Anleitung von 9 Optikern entsprechend an die Menschen weiterzugeben. Der zweite Schwerpunkt war die medizinische Versorgung durch zwei praktische Ärzte.

In unserem Gepäck befanden sich auch technisch hochwertige Geräte, womit es den Optikern möglich war, die passende Brillenstärke festzustellen. Die Aufgabe des Brillensuchteams war es dann, die Brillen mit exakter Stärke für die jeweiligen Patienten zu finden. Das gelang uns wirklich hervorragend. Die Freude, die wir dabei spüren durften, diesen glücklichen Moment für so viele, endlich einmal klar, deutlich und bunt sehen zu können, hat sich tief in unsere Herzen eingeprägt. Dankbare Umarmungen, strahlendes Lächeln und ein unbeschreibliches Gefühl an Herzenswärme wurde uns von den ärmsten Menschen im Busch geschenkt!

"Lass nicht zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist!" Was Mutter Teresa mit diesem Satz ausdrücken wollte, ist uns wirklich gelungen, wir haben das erfahren und gelebt.

Mit uns unterwegs waren auch zwei praktische Ärzte, die mit ihrem unermüdlichen Einsatz hunderte Patienten medizinisch versorgen konnten. Viele Menschen leiden an jahrelang unbehandelten Verletzungen und offenen Wunden, unversorgten Knochenbrüchen, Malaria, Rheumatismus, Arthritis, Bluthochdruck, Typhus bis hin zu schweren körperlichen und geistigen Behinderungen.

Beim Besuch des Dorfspitals mussten wir erfahren, dass aufgrund der Ausstattung (kein Strom, kein Wasser, keine Medikamente,...) die korrekte medizinische Versorgung für die Menschen hier unmöglich ist. Welches Glück für so viele kranke Menschen, einen "weißen" Arzt zu treffen und von ihm entsprechend behandelt zu werden. Jetzt verstehen wir, warum viele von ihnen sehr geduldig unter freiem Himmel übernachtet haben, einmal, zweimal, bis sie endlich die Chance hatten, beim Arzt oder Optiker an die Reihe zu kommen.

Neben all unserem Einsatz ist auch noch Zeit geblieben, einen Einblick in das einfache und doch sehr fröhliche Leben der Menschen im Heimatdorf von Kaplan Emeka zu gewinnen.

Schon bei unserer Ankunft sind wir sehr herzlich von den Dorfleuten empfangen worden. Der Rhythmus der Trommeln, der ausdrucksstarke Tanz, ihr begeistertes Singen und Klatschen überwältigte uns und begleitete uns während unserer Reise immer wieder. Wo immer wir auch auftauchten spürten wir viel an der Offenheit und Herzlichkeit der Menschen hier im Busch Nigerias.

Was zu einem Besuch bei Emekas Familie immer dazugehört, ist der Empfang von Chief Leo Emeakaroha, Emekas Großvater. Als Gastgeschenk und als Zeichen von Freude und besonderem Willkommensein überreichte er uns traditionelle afrikanische Kleidung, die wir voller Stolz entgegennahmen.

Im Haus der Familie waren wir bestens untergebracht und die für uns so liebevoll zubereiteten afrikanischen Speisen schmeckten wirklich vorzüglich. Mit Reis, Yams, Kochbananen, Fisch und so vielen frisch geernteten Früchten wie Ananas, Papayas, Mangos, Avocados und Bananen durften wir ein Stückchen afrikanische Küche kennenlernen.

Während eines Besuches beim Bischof der Diözese Okigwe, Anthony Ilonu, gewannen wir auch einen Einblick in die verschiedenen diözesanen Projekte, die Kaplan Emeka von Österreich aus organisiert. (Telefonprojekt, MIVA Auto,...)

Bischof Ilonu eröffnete unser Projekt auch ganz persönlich und stellte unsere Arbeit, unser Wirken hier im Dorf, unter den Segen Gottes.

Was für die Menschen im Dorf zu einer großen Hilfe und Erleichterung wurde, ist das Brunnenprojekt. Alle haben hier die Möglichkeit, frisches Wasser in mitgebrachten Kanistern nach Hause zu tragen. Der stundenlange Fußmarsch während glühender Hitze zur Dorfwasserstelle, den oft Kinder übernehmen mussten, gehört dank der Einsatzbereitschaft Emekas zur Vergangenheit.

Der Höhepunkt unserer Reise war der Kulturnachmittag, der für uns organisiert wurde. 15 verschiedene Tanz- und Musikgruppen begeisterten uns mit ihren dumpfen Trommelklängen, mit ihrem überzeugenden Gesang und mit ihrem für uns unvorstellbarem Rhythmusgefühl. Ein wirklich buntes Fest!

Einen Gottesdienst mitzufeiern, wurde zu einem ganz besonderem Erlebnis. Auch hier wurde geklatscht, getanzt, mit allen Sinnen gefeiert. Wenn Jesus sagt: "Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen!", dann durften wir sehr deutlich spüren, dass ER unter uns war.

Bei einem großen Kindernachmittag, wo an die tausend Kinder auf unsere kleinen Geschenke geduldig warteten, konnten wir auch viele Patenkinder und deren Eltern treffen.

All unsere gesammelten Erfahrungen, Eindrücke, wunderschöne Erlebnisse, bewegende Momente und Situationen, die wir mit nach Hause bringen durften, wollen wir dankbar in unseren Herzen bewahren. Ein ganz ganz herzliches und aufrichtiges DANKE an alle, die unser Projekt in irgendeiner Form unterstützt und mitgetragen haben: Danke für das fleißige Brillensammeln! Danke an die Optiker, die vor unserer Reise alle Brillen gereinigt, bemessen und beschriftet haben! Danke an alle Freunde, die uns Medikamente, Vitaminpräparate, Verbandsstoffe und Gehbehelfe (Krücken & Rollstuhl) zur Verfügung gestellt haben. Mit Ihrer Hilfe ist es uns gelungen, etwa 2500 Brillen an Bedürftige weiterzugeben und hunderte Patienten mit entsprechenden Medikamenten zu versorgen und medizinisch zu betreuen.

Für alle unsere Freunde in Nigeria, die diesmal nicht die Chance hatten, die "weißen" Ärzte oder den Optiker zu treffen, hoffe ich, dass sie beim nächsten Projekt unsere Hilfe erfahren dürfen.

Allen Nigeriafreunden in Österreich wünsche ich, dass sie vielleicht auch irgendwann einmal ein Stückchen Lebensfreude, Offenherzigkeit und Wärme der Menschen im Busch Nigerias wahrnehmen und spüren können.

Frau Gisela Prisching, März 2006.