Sie sind hier:Hauptseite>>Reisen nach Nigeria>>Reiseberichte>>Medizinische Projektreise - Februar 2020>>Reisebericht - Johanna Schmalzer
Freitag, 10 Juli 2020 18:06

Reisebericht - Johanna Schmalzer

Im Jänner 2020 hieß es für mich eine zweites Mal: Auf nach Nigeria

 In das Heimatdorf von Pfarrer Emeka, um dort abertausenden erwartungsfrohen Menschen mit gesundheitlichen Problemen zu helfen.

 

Als Orthoptistin war ich Teil des Brillenprojekts. Die Vorbereitungen für die Reise liefen bereits seit einigen Monaten. Insgesamt wurden 14.000 Second Hand Brillen gesammelt und vorab gereinigt, ausgemessen und in ein Computerprogramm eingetragen. Vor Ort gelang es uns in den knapp drei Wochen beinahe 4000 schlecht sehende Menschen zu untersuchen mit Brillen zu versorgen. Vielen Menschen konnten wir mithilfe einer einfachen Lesebrille sofort ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Auch Sonnenbrillen waren sehr begehrt, da die stark einstrahlende Sonne in Nigeria zur frühen Trübung der Augenlinse (grauer Star) beiträgt. Durch das Tragen einer Sonnenbrille kann dem verfrühten Eintrüben der Linse vorgebeugt werden und die Menschen können ihre Augen vor der oft staubigen und sandigen Umgebung schützen. Leider konnten wir nicht allen Menschen mit einer Brille helfen, da der graue Star häufig schon so fortgeschritten ist, dass trotz Brille keine Verbesserung der Sehkraft mehr möglich ist. Diese Menschen warten nun auf eine Operation des grauen Stars. Im Rahmen des Projektes war auch heuer wieder ein Augenärzteteam für eine Woche vor Ort. Dank ihrem Einsatz wurde mehr als hundert glücklichen PatientInnen das Augenlicht durch eine Kataraktoperation wiedergeschenkt.

 

Die Arbeitstage im Krankenhaus waren stets sehr intensiv und herausfordernd, doch abends gab es immer noch viel zu lachen und zu erzählen. Emeka hatte nicht selten eine kleine Überraschung für uns organisiert. Mal war es der Besuch von Tänzerinnen und Trommlern, mal wurden wir vom benachbarten Dorfhäuptling und seiner Sippschaft empfangen und beschenkt. Ein ander Mal lud Emeka Schneiderinnen ein, die uns afrikanische Kleidung nähten. Auch einige Geburtstagskinder wurden während unserem Projekt gebührend gefeiert.

Neben der Arbeit im Krankenhaus hatten wir immer wieder die Möglichkeit, in die nigerianische Kultur einzutauchen. Der Besuch des Marktes war definitiv ein Highlight davon. Die vielen Gerüche, Geräusche, das Gedränge und die bunten Farben sind einzigartig. Auch die Kirchenbesuche an den Sonntagen waren eine tolle Erfahrung. Der Gesang, das Rhythmusgefühl, die Instrumente und die Begeisterung der Menschen waren sehr faszinierend und ließen die rund dreistündige Messe wie im Flug vergehen.

Eine besondere Begegnung hatte ich mit einem Mädchen namens Stellamaris, dessen Mutter bei Emeka um Unterstützung anfragte. Das Mädchen unterschied sich von ihrer Mutter und ihren Geschwistern dadurch, dass ihre Haut zwar braun, aber viel heller als die ihrer Familienmitglieder ist. Aufgrund des Albinismus leidet sie an einem Augenzittern, das die Sehleistung stark reduziert. Nach kurzem Überlegen nahm Emeka Stellamaris in sein Kinderpatenschaftsprojekt auf. Nun bin ich stolze Patin der 11-Jährigen, die mittlerweile mit einer Brille versorgt ist und erstmals eine Schule besuchen kann.

 

Die Erlebnisse dieser Reise lassen sich kaum in Worte fassen. Die Begegnung mit den Menschen, ihre Freude, ihre Dankbarkeit und ihre positive Einstellung zum Leben sind überwältigend. Ich bin froh, vielen Menschen mithilfe einer Brille ein Stück mehr Lebensqualität gegeben haben zu können und ein Teil dieses Projektes zu sein!

 

Johanna Schmalzer