Projektreise Nigeria 2019

Im Jänner 2019 haben wir (wir= Nina und Silvia) uns gemeinsam mit einen über 30-Mann-/Frau- Team, bestehend aus ÄrztInnen, KrankenpflegerInnen, OptikerInnen, OrthoptistInnen und vielen weiteren Helfern für 3 Wochen auf den Weg nach Nigeria gemacht, um das medizinische Hilfsprojekt zu unterstützen. Durch ein weitergeleitetes E-Mail vom Verband Orthoptik Austria wurden wir auf das Hilfsprojekt von Mag. Dr. Emeka Emeakaroha aufmerksam. Nach einem kurzen Telefonat zwischen uns beiden ehemaligen Studienkolleginnen wussten wir sofort, da müssen wir mit – und haben es keinesfalls bereut.


Im Vorfeld fanden Informationstreffen in Pfr. Emekas Gemeinde Obergrafendorf statt, wodurch wir nähere Informationen zur Reise und zum Hilfsprojekt bekamen.
Um sich Mitte Jänner auf den Weg nach Afrika zu machen, musste zuerst einiges an Vorarbeit in Österreich, speziell für das „Brillenprojekt“, geleistet werden. Dazu wurden vom gesamten Reiseteam Secondhand-Brillen gesammelt, gereinigt, repariert und nach deren Brechwert sortiert. Welche anschließend in ein Brillenprogramm am PC eingegeben wurden, um später die Suche nach der benötigten Brille zu erleichtern.

 

Nach einer ca. 24-stündigen Anreise erreichten wir unser Ziel Umunohu, einem 5.000 Einwohner-Dorf im Bundesstaat Imo State im Südosten von Nigeria.
In den ersten Tagen stand akklimatisieren und kennenlernen am Programm. Trotz für uns noch gewöhnungsbedürftiger drückende Hitze und Schweißperlen am ganzen Körper waren wir überwältigt von der Fröhlichkeit und Leichtigkeit der Einheimischen, die uns mit Liedern und Tänze, freudig lachend in Empfang nahmen. Auch war es Anfangs etwas ungewohnt 3 Wochen lang ein mehrköpfiges Polizeischutz-Team um uns zu haben, doch sehr bald gehörten sie zu unserer Gruppe dazu.

 

Das im Jahr 2009 mit Spendengeldern aus Österreich errichtete Krankenhaus (Madonna-Austrian Hospital Ihitte) wurde für 3 Wochen zu unserem neuen Arbeitsplatz.
Den ersten Tag gingen wir zu Fuß in das etwa zwei Kilometer entfernte Spital und konnten dadurch erste Begegnungen mit dem Land und deren gastfreundlichen Einwohnern, die uns immer mit einem breiten Lächeln begrüßten, erfahren. Bei der Ankunft auf dem Krankenhausareal wurde man bereits von einer Gruppe afrikanischer Frauen in färbigen Kleidern tanzend zu Rhythmen ihrer Lieder erwartet und von unzähligen Menschen fröhlich winkend willkommen geheißen. Nach der Präsentation und Überreichung der Kolanüsse, die in Afrika als ein Zeichen des Willkommens gelten, besichtigten wir das Krankenhaus.


Im Gegensatz zu unseren Spitälern herrschte großer Lärm in den Gängen und hunderte von Menschen warteten, meist am Boden sitzend, auf ihre Behandlung. Schon zu dieser Zeit erkannten wir, wie dringend unsere Hilfe benötigt wird. Anschließend besprachen wir im „Optiker-Team“ die Vorgehensweise der Patientenbetreuung um in den nächsten Wochen möglichst viele Menschen mit Brillen versorgen,  und ihnen dadurch neue Lebensqualität geben zu können.

 

Als wir am ersten Arbeitstag mit dem Bus zum Krankenhaus fuhren, erwartete uns bereits ein Ansturm von Menschen. Es war überwältigend zu sehen, wie viele Menschen nicht nur von diesem Ort, sondern auch von kilometerweit entfernten Dörfen, sich meist zu Fuß auf den Weg gemacht haben um unsere Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Es schien für uns zunächst unmöglich all diese Menschen adäquat zu versorgen, da ein großes Durcheinander herrschte und unsere Untersuchungszimmer regelrecht gestürmt wurden, doch durch die tatkräftige Unterstützung von zahlreichen Helfern des Projektes konnten wir mit den Tagen eine Ordnung in das Chaos bringen.

 

Um einen besseren Einblick in unseren „Alltag“ während des Aufenthaltes zu erhalten, möchten wir den Ablauf unseres Tages schildern. Begonnen haben unsere Tage meist sehr früh mit einer morgendlichen Laufrunde. Für alle Frühaufsteher bot sich sie so die Gelegenheit die angenehm, „kühle“ Luft zu genießen, bevor die Sonne uns wieder eine drückende Hitze bescherte. Nach dem Frühstück ging es für das Optiker-Team auch schon ab ins Krankenhaus. Von  9 bis circa 14 Uhr arbeitete jeweils ein Teil an der Brillenbestimmung und der andere Teil an der Brillenausgabe. Nach einer Mittagspause, inklusive einer köstlichen Mahlzeit, ging es auch schon wieder zurück ins Krankenhaus. Wir beendeten unsere Arbeit meist erst bis wir alle PatientInnen untersucht hatten. Manchmal war der Andrang jedoch so groß, dass wir aufgrund fortgeschrittener Zeit abbrechen mussten und die Menschen auf Morgen vertrösten mussten. Diese verbrachten die Nacht teilweise sogar im Krankenhaus, da der Heimweg zu lang oder zu gefährlich war um ihn bei Dunkelheit zu bestreiten. So sahen wir beim verlassen des Gebäudes oft einige Menschen welche sich auf den harten Holzbänken einen Schlafplatz einrichteten. Es ist uns allen sehr schwer gefallen zu akzeptieren, dass wir nicht allen Menschen sofort helfen konnten. Wir erkannten jedoch, dass es auch wichtig war sorgsam mit unserer Energie umzugehen, da noch einige intensive Tage vor uns lagen. Mit dem Bus ging es wieder zurück in unser Quartier, wo bereits dass Abendessen für uns bereit gestellt war. Nach gemütlichen Beisammensein besprachen wir den Ablauf für den nächsten Tag und zogen gleichzeitig auch Resumee über den bisherigen Verlauf des Projektes.

 

Neben unserer Arbeit im Krankenhaus bot sich uns die Möglichkeit durch verschiedene Aktivitäten einen Einblick in die Kultur Nigerias zu bekommen. Besonders prägend waren für uns die sonntäglichen Besuche der heiligen Messe. Die Menschen zelebrieren diesen Tag in ihren schönsten Gewändern und im Gegensatz zur Österreichischen Messe kann diese in Nigeria schon mal bis zu drei Stunden dauern. Doch diese drei Stunden vergingen für uns überraschenderweise wie im Flug! Es gab so viele verschieden Eindrücke die wir mit Begeisterung aufnahmen und die uns ins Staunen brachten. Besonders beeindruckend war die musikalische Gestaltung der Messe. Sobald der Chor ein Lied anstimmte, begann die gesamte Gemeinschaft mitzusingen. Mit Trommeln, rhythmischen Klatschen sowie teilweise auch Tanzeinlagen wurde dies für uns zu einem einzigartigen Erlebniss. Auch wir haben uns von dieser Dynamik mitreißen lassen und klatschten – auch wenn nicht immer ganz im Takt – begeistert mit. Bis auf die fast unerträgliche Hitze waren diese Stunden für uns ein toller Einblick in das Leben Nigerias.

 

Nach fast 3 Wochen intensiver Arbeit waren wir zwar erschöpft aber vor allem glücklich, so viele Menschen mit einer neuen Brille versorgt zu haben. In Zahlen waren es 3500 Menschen die dadurch wieder besser Sehen und somit ein Stück mehr Lebensqualität erhalten haben. Es war für uns eine sehr intensive aber schöne Erfahrung, da diese Menschen uns mit so einer herzenswärme begegnet sind. Diese Dankbarkeit die uns die Menschen für unsere Arbeit gezeigt haben hat uns beide überwältigt und bestärkt weiterhin ein Teil dieses besonderen Projektes  zu bleiben!

 

 

 

 

Nina Oberschneider
Silvia Steininger

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